11:00 Uhr: Überlandflug

Die erfahreneren Piloten warten sehnsüchtig auf Tage mit guter Thermik - dann ist Streckensegelflug angesagt. Oft zeichnet sich ein guter Tag schon lange vorher im Wetterbericht ab. Am Vorabend wird herausgesucht, in welche Richtung das beste Wetter zu erwarten ist, denn man möchte den Tag optimal ausnutzen und möglichst weit fliegen.

Hoffentlich gut ausgeschlafen und hoch motiviert fällt das Aufstehen am nächsten Morgen leicht. Der Blick geht noch einmal in den Wetterbericht, die geplante Route wird an die aktuelle Situation angepasst und in den Flugcomputer übertragen. Proviant, Sonnencréme, Sonnenbrille, Sonnenhut, Landkarten und noch einiges mehr müssen in dem doch recht engen Cockpit verstaut werden - bloß nichts vergessen! Die Thermik geht meistens erst los, wenn die Sonne schon ein bisschen vorgeheizt hat, es bleiben also noch ein paar Momente zum Durchschnaufen.

Man sieht es an den Wolken oder vielleicht auch an Flugschülern, die plötzlich oben bleiben: Die Thermik setzt ein! Nun heißt es schnell in die Luft kommen, damit man keine Zeit am Boden verschenkt. Im ersten gefundenen Thermikschlauch ("Bart") fliegt man enge Kreise ("Kurbeln"), bis man sich in über 1000 Metern Höhe wiederfindet. Das reicht, um einige Kilometer mehr oder weniger geradeaus bis zum nächsten Bart zu fliegen. Ständig optimiert man seinen Flugweg, versucht, am effektivsten vorwärts zu kommen. Dabei muss man immer weit voraus und vielleicht auch einmal zurück schauen, manchmal hilft auch die Absprache mit anderen Piloten per Funk.

Nicht nur der sportliche Wettbewerb reizt am Streckensegelflug. Da ist zum Beispiel die Lust am Abenteuer, denn so genau weiß man nie, ob der Plan aufgeht und wo man am Abend landen wird. Dann ist da die Neugierde auf neue Gegenden, die man erkunden möchte, z.B. Ausblicke auf eine bisher noch nicht von oben betrachtete Stadt oder eine andere Landmarke. Und schließlich die Schönheit der Natur: Der gleichzeitige Blick auf Nord- und Ostsee von der Mitte Schleswig-Holsteins aus, die großen Seen in Mecklenburg-Vorpommern, die im Abendlicht glitzernde Elbe, vielleicht auch mal ein Vogelschwarm, den man ein Stück lang begleitet.

Wenn man gut geplant und nicht zu hoch gepokert hat, dann schafft man es abends auch zurück nach Lübeck. Dort tauscht man mit den Vereinsfreunden die Erlebnisse in gemütlicher Runde aus und lädt den Flug vom GPS-Logger ins Internet hoch, um sich mit anderen Piloten zu vergleichen. Unten sieht man so einen GPS-Track (knapp 500 km Lübeck-Braunschweig-Kyritz-Lübeck). Wovon man in der kommenden Nacht träumt, ist eigentlich schon vorher klar!


Wenn es nicht so gut läuft, dann endet ein Streckensegelflug schon mal mit einer Außenlandung.