17:30 Uhr: Außenlandung und „Rückholen“

Es ist passiert: Früher als erwartet lässt die Thermik nach. Die Steigwerte werden geringer, die eben noch so zahlreich vertretenen Wölkchen, die die Aufwinde markieren, lösen sich nach und nach auf. Das Flugzeug fliegt nur noch in 700 Metern Höhe, jetzt muss es doch bald mal wieder nach oben gehen, der Heimatflugplatz ist noch so weit weg! Auch die letzte dicke Wolke weit und breit, die der Pilot hoffnungsvoll ansteuert erweist sich als Reinfall, sie „zieht“ einfach nicht mehr. Jetzt beträgt die Flughöhe nur noch 450 Meter.

Zum Glück hat sich der vernünftige Pilot schon auf dem Weg zur „letzten Chance“ nach geeigneten Flächen für eine Außenlandung umgesehen. Er gleitet ein kleines Stück zurück zum eben überflogenen, frisch abgeernteten Kornfeld. Auch aus mehreren hundert Metern Höhe kann man unterscheiden, ob unten Raps, Mais, Kartoffeln oder Korn angebaut werden, und wie hoch der Bewuchs ungefähr ist.

Unten auf dem Feld ist kein verräterischer Schatten eines Hochspannungsmasten zu erkennen und die durchgehenden Muster der Erntemaschine zeigen, dass offenbar auch keine Gräben oder Zäune im Weg sind. Eine nahe gelegene Windkraftanlage zeigt dem Piloten, dass sich die Windrichtung in Bodennähe seit dem Abflug nicht wesentlich geändert hat. Nach über 200 Landungen auf Flugplätzen ist es also heute das erste Mal eine Landung auf einem völlig fremden Feld, aber ansonsten ist alles wie immer. 300 Meter bleiben noch für einen geordneten Gegenanflug, die Gurte werden noch einmal richtig fest angezogen, das Fahrwerk ausgefahren. Querab der Landeposition in 200 Metern, daheim würde man nun „Position“ melden, das interessiert am mecklenburgischen Acker aber niemanden. Queranflug in 150 Metern, hmm, noch ganz schön hoch, aber das Feld ist ja riesig. Im Endteil 100 Meter, da bleibt reichlich Platz zu den Baumwipfeln, Klappen halb raus und schon schwebt das Flugzeug dicht über dem Acker sanft aus.

Die Rollstrecke war ganz schön kurz, das weiche Stoppelfeld bremst doch deutlich stärker als die Landewiese zuhause. Ein kurzer Rundgang ums Flugzeug zeigt, dass trotzdem alles in Ordnung ist und die Fahrwerksklappen noch dran sind. Nur ein paar Kratzer am Rumpf hat es gegeben.

Der Anruf im Clubheim ist etwas kleinlaut: „Ich bin leider außengelandet, könnt Ihr bitte den Anhänger klar machen?“ Dank GPS hat man den Helfern zuhause schnell die genaue Position des Flugzeugs erklärt. Nach einer gefühlten Ewigkeit sind die Helfer endlich da. Zu dritt zerlegt man den kleinen Einsitzer in gerade mal 15 Minuten in vier Teile, Rumpf, Höhenleitwerk und die beiden Tragflächen.

Zurück in Lübeck ist die Sonne schon fast untergegangen. Im letzten Abendlicht wird der Flieger wieder „aufgerüstet“ und in die Halle geräumt, damit morgen die Vereinskameraden damit fliegen können. Weil dem Piloten und den Helfern jetzt unheimlich der Magen knurrt, geht es gemeinsam ins Restaurant, der Pilot zahlt, dafür ist er an Erfahrung reicher.