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Zukunftsangst in Blankensee

veröffentlicht um 12.05.2014, 12:37 von Winfried Schöch
Die allgemeine Luftfahrt in Lübeck fürchtet um ihre Zukunft am Flughafen Blankensee
Offener Brief vom 12.5.2014 an den Flughafen Lübeck, Politik und Presse

"Sehr geehrte Damen und Herren,

die am Lübecker Flughafen beheimateten Luftsportvereine - der Aero Club von Lübeck e.V. sowie der Lübecker Verein für Luftfahrt e.V. - haben sich zu einer Interessengemeinschaft zur Fortführung des Flugbetriebs am Flugplatz Blankensee zusammengefunden. Die Vereine wollen gemeinsam ihre historische Tradition wieder aufnehmen, als sie schon einmal kurz nach Kriegsende als Betreiber auftraten um den Flugbetrieb damals wieder zu ermöglichen. Wir möchten den Flugplatz als Verkehrs- oder Sonderlandeplatz für die allgemeine Luftfahrt ("General Aviation") erhalten. Groß-Linienverkehr wie heute wird es dann sicher nicht mehr geben. Stattdessen werden - wie damals - wieder privater und geschäftlicher Motorflug mit Kleinflugzeugen, Ambulanz- und ADAC-Flüge für die Uniklinik und natürlich auch der erfolgreiche sportliche Segelflug verbunden mit der Pilotenausbildung und Jugendarbeit den täglichen Betrieb am Flugplatz Blankensee charakterisieren.

Wir möchten die aktuelle Betriebsgenehmigung der im Insolvenzeröffnungsverfahren befindlichen Betreibergesellschaft übernehmen und diese in reduzierter Betriebspflicht fortsetzen. Wir sind davon überzeugt, dass wir mit geringer Unterstützung der Hansestadt Lübeck dann in der Lage sind, einen zuverlässigen Flugbetrieb in angepasster Form professionell, zuverlässig und tragfähig für die Zukunft zu gewährleisten. Hierbei berufen wir uns auf unseren jahrzehntelangen luftfahrttechnischen und luftfahrtrechtlichen Sachverstand direkt vor Ort. Im Unterschied zu den bisherigen kommerziellen Betreibern zielen wir nicht auf einen Ausbau des Flughafens und dem damit verbundenen Kostenrisiko ab, sondern wir erwarten nur, dass die erheblich geringeren Kosten bei deutlich reduziertem Leistungsumfang von den Nutzern selbst getragen werden.

In ersten konstruktiven Gesprächen mit den drei ortsansässigen Gewerbe-Flugschulen sowie zahlreichen privaten Flugzeugeigentümern (Hallenmietern) wurde uns deren Unterstützung und selbstverständlich auch deren großes Interesse an einer Fortführung des Flugbetriebs signalisiert. In weiteren sondierenden Gesprächen mit Vertretern der Politik sowie in jüngeren Verlautbarungen der Presse zum Flughafen Lübeck konnten wir erfreulicherweise erfahren, dass unser Konzept eines verkleinerten Flugbetriebes am Lübecker Flugplatz verbunden mit reduzierten Leistungen inzwischen deutliche Zustimmung findet.

Alle Beteiligten teilen allerdings derzeit die große Sorge, dass es jetzt in der kurzen Fortführungphase der Yasmina Flughafenmanagement GmbH noch verbleibenden Zeit des laufenden Insolvenzeröffnungsverfahrens nicht mehr gelingen könnte, geeignete Investoren zur wirschaftlichen Fortführung des Flughafens im bestehenden Umfang zu finden. Daher besteht aktuell das hohe Risiko, dass die Genehmigungsbehörde alsbald gezwungen sein könnte, die bestehende Betriebsgenehmigung komplett zu widerrufen. Dies käme dann einer endgültigen Schließung des historischen Luftfahrtstandorts Lübeck für alle Zeiten gleich, denn eine Neugenehmigung wäre danach praktisch aussichtslos.

Die beteiligten Vereine haben daher ein eigenes, aber auch ein allgemeines Interesse an der Übernahme des Flugbetriebes in reduziertem Umfang. Um die unterbrechungsfreie Fortführung am Flugpatz sicher zu gewährleisten, bitten wir daher dringend ALLE um Unterstützung bei der rechtzeitigen Genehmigungsüberführung von der jetzigen Betreibergesellschaft auf die sich dann konstituierende Interessengemeinschaft der Lübecker Luftsportvereine.

Unterzeichner:
Rüdiger Kosemund, Aero Club von Lübeck e.V. (1. Vorsitzender)
Torsten Rieß, Lübecker Verein für Luftfahrt e.V. (1. Vorsitzender)"
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