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Mit 60+ in die fliegerische Freiheit

veröffentlicht um 30.08.2015, 07:48 von Winfried Schöch   [ aktualisiert: 30.08.2015, 07:53 ]
Am 9. August 2015 war es so weit: Flugschüler Uwe Dobrinski (62) vom Aero Club von Lübeck durfte das erste Mal alleine ans Steuer eines Segelflugzeugs! Für wohl jeden Flugschüler ist dies der spannendste Moment der Ausbildung. Für Uwe war dieses Ereignis aber auch aufgrund seines persönlichen Hintergrunds etwas ganz Besonderes.

 
 
 
Konzentration vor dem ersten Alleinflug
(Foto: N. Sevegnani)
Ausbildungsleiter Johannes Schlesinger überreicht blumige Glückwünsche
(Foto: K. Dehde)
Die Thermikfühligkeit von Uwe wird traditionsgemäß gesteigert
(Foto: K. Dehde)

 


Eine Minute später guckt Uwe schon wieder recht entspannt
(Foto: K. Dehde)
 So glücklich...
(Foto: H. Döhler)

Er selbst schreibt dazu:

Mein „Traum vom Fliegen“ wurde nicht erst mit 60 geweckt. Als Jugendlicher am Rande eines sowjetischen Militärflugplatzes am nördlichen Rand von Berlin groß zu werden, bedeutete fast tägliche Lärmbelästigung (die man in dem Alter aber so nicht empfindet), aber auch, faszinierendes Fluggerät ständig vor Augen zu haben. Wenn dann noch der Vater als ehemaliger Prüfmeister der Luftwaffe von seinen Erlebnissen aus dem Fliegerleben erzählt, ist die Infektionsgefahr groß.

Folgerichtig war dann auch der Berufswunsch nach dem Maschinenbau-Studium in der Luftfahrt angesiedelt. Der Fliegerkarriere stand allerdings die Westverwandschaft im Wege - zu groß war nach Meinung der Stasi die Gefahr, sich selbst eine Ausreisegenehmigung zu erteilen. Zumindest reichte es aber für einen Job als Techniker beim Agrarflug am Boden. Eine Flotte von knapp 300 Agrarflugzeugen mit Flugbenzin und diversen Spezialölen zu versorgen, war unter DDR-Verhältnissen auch durchaus herausfordernd. Außerdem bot diese Tätigkeit ausreichend Möglichkeiten, immer dicht am Flugbetrieb dran zu sein, und zum Mitflug in nahezu allen gängigen Agrarflugzeugen und –Hubschraubern der INTERFLUG und der sowjetischen AEROFLOT ergab sich über die Zeit auch reichlich Gelegenheit.

Mit der Wende kam dann das Aus für die INTERFLUG, und mit 36 Jahren galt es, eine neue Beschäftigung zu finden. Logisch war eine Bewerbung bei der BP und dort bei der AIR-BP, aber in Hamburg hatte man andere Pläne für die Bewerber aus den Osten der Republik: Es galt, das Tankstellennetz im Osten des Landes aufzubauen. Grundstücks-Akquisition und Baugenehmigungen in Ostberlin waren die neue Herausforderung. Für den Traum vom Fliegen blieb dabei wenig Platz, zumal ein Umzug nach Hamburg, Versetzung nach Bochum und 8 Jahre Pendeln zwischen Bochum und Hamburg das Familienleben nicht leichter machten.

Dann mit 59 das Frühpensionierungsangebot, verlockend aber mit einem ungeahnten Haken versehen – was tun mit der neu gewonnenen Freizeit? Man kann es ahnen, kurz danach stand ich beim ACvL vor der Tür, schnupperte und der Virus brach sich Bahn. Von nun an gehörten die Samstage dem neuen Hobby, im Sommer Fliegen im Winter Schrauben und Polieren, aber auch Büffeln für BZF und Theorieprüfung...

Dass es dann 190 Starts und über 30 Flugstunden brauchte, bis hinreichend Fähigkeiten für den ersten Alleinflug zusammen kamen, mag dem etwas schwierigeren Lernen im Alter geschuldet sein, aber jeder Start, auch mit Fluglehrer-in hat Spaß gemacht, zumindest mir :-)

Zum Glück gibt es ja keine Altersgrenze für dieses wunderbare Hobby und solange der Fliegerarzt sein OK gibt, werde ich jede Minute in der Luft genießen!

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