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Lübecker Segelflieger stehen endgültig vor dem Aus

veröffentlicht um 15.11.2014, 02:21 von Winfried Schöch   [ aktualisiert: 15.11.2014, 02:28 ]
Pressemitteilung vom 9.11.2014

Am 2. Oktober 1950 wurde der Aero Club von Lübeck e.V. gegründet. Mit guten Argumenten und viel Enthusiasmus konnten die Mitglieder unseres Luftsportvereines damals die Briten überzeugen, den Segelflug in Lübeck nach dem Krieg wieder zu erlauben. Unsere Piloten waren nicht nur die ersten Nutzer sondern auch die ersten Betreiber des Lübecker Flughafens.

Am 7. November 2014 erklärte die PuRen Germany GmbH überraschend das Ende des Segelflugs in Lübeck: "die Nutzungvereinbarung wird nicht verlängert." Wir müssen das Gelände verlassen. Im Sommer hatte der neue Geschäftsführer Markus Matthießen uns noch persönlich erklärt, dass er sich keinen Grund vorstellen könne, der gegen einen Segelflug am Lübecker Flughafen sprechen könnte. Und auch jetzt bleibt die Frage danach, was hier vorgesehen ist, unbeantwortet.

Bis zuletzt ließ uns Herr Matthießen im festen Glauben, dass wir unseren Standort langfristig weiter nutzen könnten. Am Freitag trafen wir uns mit ihm in der Erwartung, über Details zur Vertragsverlängerung zu sprechen. Wir erwarteten, zukünftig einen sehr viel höheren Preis für die Nutzung des Geländes zahlen zu müssen. Dass er uns unserer Existenzgrundlage beraubte, traf uns vollkommen unerwartet.

Der neue Leiter des Flughafenbetriebs, Dr. Peter Steppe, nahm uns in dem Gespräch jede Hoffnung: "Es wird in Lübeck keinen Segelflug mehr geben." Auch die Segelflugschule von Uli Buch habe keine Zukunft am Lübecker Flughafen mehr.

Wir fühlen uns betrogen. Hat sich doch die PuRen Germany GmbH gegenüber der Stadt vertraglich verpflichtet, die Interessen der ortsansässigen Luftsportvereine zu wahren. Die in der Bürgerschaft vertretenen Fraktionen hatten uns versichert, dass diese Vereinbarung ausreichend sei, um unsere Existenz abzusichern.

Um unseren Sport weiter betreiben zu können, benötigen wir dringend Hilfe. Wir müssen uns eine möglichst ebene, etwa 100 Meter breite und 1000 Meter lange Fläche suchen. Im An- und Abflugbereich dürfen keine höheren Hindernisse stehen. Für jeden Hinweis auf möglicherweise geeignete Flächen sind wir dankbar.

Wir hoffen darauf, dass sich die Stadt jetzt für unsere Interessen einsetzt. Unsere Anlagen und Gebäude dürfen erst dann abgerissen werden, wenn dies tatsächlich zwingend notwendig wird. Die Betreibergesellschaft sollte zunächst andere Flächen ausnutzen - und nicht mit dem Abriss unserer Gebäude beginnen, während auf der Nordseite noch ungenutzte Hallen und Gebäude vom Einsturz bedroht sind. Wir fürchten, dass unsere Halle und unser Vereinsheim sonst sofort dem Erdboden gleich gemacht werden; schlimmstenfalls nur, damit schon in einigen Jahren die nächste Investorensuche startet. In dem Fall wird der ausscheidende Betreiber auf unserer Südseite des Flughafens dann buchstäblich nur Trümmer hinterlassen.

Eine Notwendigkeit, das Gelände unmittelbar zu räumen, können wir nicht erkennen. Zumindest scheint es uns möglich und sinnvoll, unsere Anlagen und das Gelände weiter zu nutzen, bis der Planfeststellungsbeschluss als Grundlage für eine veränderte Nutzung überhaupt rechtswirksam wird. Das würde uns nicht nur die Möglichkeit geben, noch wenigstens eine Saison von Lübeck aus fliegen zu können, sondern würde insbesondere einen geordneten Umzug ermöglichen.

Unseren Verein so unerwartet und fristlos vom Gelände zu verweisen bedroht unsere Existenz jedenfalls unmittelbar. In der kurzen Frist eine geeignete Unterkunft für unsere Flugzeuge und unseren zugelassener Luftfahrttechnischer Betrieb zu finden, ist nahezu aussichtslos. Aufgrund der Größe des Vereins ist ein Unterkommen bei einem der Nachbarvereine nicht möglich, so dass wir im nächsten Jahr heimatlos sein werden.
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