Landesliga 2012‎ > ‎

Woche 26 (17.9.-23.9.): Furioses Finale

veröffentlicht um 21.03.2013, 14:07 von Winfried Schöch   [ aktualisiert: 21.03.2013, 14:07 ]
Natürlich hatten wir uns einen schönen Abschluss der Landesliga 2012 gewünscht, aber dass es so kommen würde... Gleich der Montag zeigte Potential, zumindest im äußersten Norden: Dieter Immler (Flensburg), der bis zum Sonntag 57 Flüge über 50 km im OLC meldete, durchmaß mit seiner DG 800B 1 ¾ Mal Schleswig-Holstein von Ost nach West: Beim ersten Mal bis Dagebüll, beim zweiten Mal bis kurz hinter Leck. 192 km erbrachten 174 Punkte.

Der Samstag


Unter der Woche ging bei durchwachsenem, oft reichlich dunklem und windigen Wetter nichts mehr, das Wochenende sollte aber freundlich werden. Am Samstag morgen konnte man ausschlafen, es war trostlos und goss in Strömen bis mittags. Um 13:35 Ortszeit traute sich als erster wieder Dieter Immler in die Luft. Zunächst ging es in Baumwipfelhöhe in die Gegend von Schleswig, dann mit besser werdendem Wetter nach Nordwesten über die dänische Grenze nach Tønder und als Jojo wieder zurück in den Südosten.


Nahezu punktgleich zu seinem Flug am Montag konnte Dieter damit Karl-Heinz Boller-Rocholl und Dag Pauschardt (beide Aukrug) im Duo deutlich auf Distanz halten. „Kalli“ und Dag waren eine Stunde nach Dieter gestartet und machten noch einen 124-km-Genuss- und Fotoflug von Aukrug über Neumünster nach Kropp und zurück: „Was für eine Traumsicht in der tollen Rückseite! :-) So macht der Herbst Spaß.“


Dag stellte uns freundlicherweise einige Fotos von seinem Flug für unseren Wochenbericht zur Verfügung. Sein Kommentar dazu: „Insgesamt waren bis auf Ausnahmen die Steigwerte etwas gebremst, vermutlich durch den teilweise ergiebigen Regen bis in den Vormittag hinein. Die Wolken sahen teilweise vielversprechender aus.”



Zwischen Nortorf und Rendsburg Richtung SW (Elbmündung)

Wolkenstraße über Rendsburg Richtung NW


Nübbel mit Nord-Ostsee-Kanal/Eider Richtung SW


Flugplatz Hohn Richtung Westen

Blick Richtung Eckernförder Bucht und Wittensee, links am Horizont die Strände der dänischen Inseln, ganz rechts der Nord-Ostsee-Kanal


Über Aukrug Richtung Norden, die Wolkenstraßen standen fast bis Sonnuntergang


Über Aukrug Richtung SW (Elbmündung) mit Nordseeschauern, die dort den ganzen Tag aktiv waren, uns durch den NW-Wind aber nicht erreichten (alle Bilder vom Samstag: Dag Pauschardt)

Der Sonntag, letzter Tag der Landesliga

Tja, und dann das Finale am Sonntag - dass es in TopMeteo-Dunkelrosa Ende September noch einmal 20 Wertungsflüge und drei 400er gibt, war zwar zu erhoffen aber nicht zu erwarten!


Das Ergebnis des Tages könnte auch als Saison-Zusammenfassung dienen - Ullrich Schwarz aus Wahlstedt hatte mal wieder den besten Riecher und flog taktisch geschickt exakt sechs Schenkel. St. Michel, Lübeck, Aukrug, Lübeck, Rendsburg ergaben letztlich 480 km mit 101 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit. Sein Kommentar: „Ein Wolkenstraßengeschenk spät im September und am letzten Wertungstag unserer Landesliga! 240 Km Gleitflug mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 136 Km/h.“


Hinter Ullrich folgte ebenfalls wie so oft der personalstarke Lübecker Block. Andreas Redlin startete sogar 10 Minuten vor Ullrich und spannte zwischen Schwerin und Aukrug 434 km auf. Sein Kommentar liest sich auszugsweise ganz ähnlich: „Was fuer ein Saisonabschluss.... mau los aber dann der Hammer - 200 km ohne Kreis - einfach nur geil [...]“

Auch Nadine Sevegnani und Eckhard Schwartz hatten sich Schwerin und Aukrug als Wendepunkte ausgesucht. Nadines Kommentar nach 419 km (Platz drei) erreichte uns per Mail: „Wolkenstraßen, einfach nur geradeaus fliegen, kalte Füße, gute Sicht.... das hat nochmal richtig gefetzt ;-)“ Eckhard Schwartz reichten 377 km zu Platz vier in der Wochenwertung.


Eine ungewöhnliche aber sicherlich schöne Route mit hohem Sightseeingfaktor wählten Christian Bielenberg und Vater Ingo (Wahlstedt): Nach der ersten Wende in Hohenlockstedt zog es sie offenbar zu den Fliegerkameraden nach Grube und anschließend nach einer Wende in Neumünster nochmals in die Nähe von Scharbeutz an die Ostsee (ca. 295 km). Christian im Discus erreichte damit Platz fünf, Ingo im 18m-Ventus musste sich aufgrund des höheren Index’ mit Platz acht zufrieden geben.


Zwischen die Bielenbergs schoben sich ebenfalls zwei Teamflieger: Marc Duysen (LS-1d) und Andreas Diebel (ASW 15) flogen von Flensburg aus mit Wenden bei Tønder, über der Flensburger Förde, bei Leck und schließlich bei Schleswig - 267 bzw. 261 km waren das Ergebnis.


Zahlreiche weitere Piloten aus Grube, Flensburg, Lübeck, Kropp, Aukrug und Rendsburg sorgten für einen rundum erfolgreichen Tag. Den zweitschnellsten Schnitt des Tages von über 96 km/h flog übrigens Junior Anton Kirchner (Neumünster) mit einem Astir CS! Bei seinem 90-km-Flug reichten im Wesentlichen drei Kreise unterwegs.


Allein die Grambeker gingen am Sonntag leer aus. Jörg Arnold schrieb zur Erklärung: „Von unserem Waldflugzeugträger aus war diese Wettererscheinung im Norden weder zu erahnen noch von den vereinzelt oben gebliebenen gemeldet worden, es lief breit und man kam nicht weg.“


Andreas Diebel schickte uns zu seinem Flug am Sonntag vier Bilder, die wir Euch nicht vorenthalten wollen:


Flensburger Außenförde mit Holnis Spitze

Flensburger Innenförde unter einer schönen Wolkenstraße

Teamflug mit Marc Duysen D-0787 (XN)

Nach einem unerwartet schönen Tag geht (eine Stunde vor der Landung) Richtung Westen nichts mehr


(alle Bilder vom Sonntag: Andreas Diebel)

Zu den Tabellen

Weil sowohl Segeberg als auch Flensburg punkteten, blieb die Jugendvereinswertung unverändert. Gewinner der Landesliga werden die Junioren der Grambeker Heide. Die neun Jugendlichen von Grambek waren bei gutem Wetter fast immer aktiv und dabei oft ganz vorne mit dabei. Intensiv nutzten die Grambeker auch die Möglichkeiten, bei Wettbewerben und Fliegerlagern Landesligapunkte zu scheffeln. Der zweite Platz geht knapp dahinter an Condor, die aus ihrer ungünstigen geografischen Lage Erstaunliches herausholten. Von Condor haben sogar elf Jugendliche teilgenommen. Mit deutlichem Abstand dahinter belegt Aukrug Platz drei. Flensburg (Platz fünf) bleibt knapp hinter Segeberg (Platz vier), Neumünster (Platz sieben) knapp hinter den sechstplatzierten Lübeckern und Dithmarschen und Uetersen teilen sich auch am Schluss punktgleich Platz acht. Wieder mit deutlichem Abstand folgen die letzten vier der Tabelle: Leck, Kropp, Kiel und Pinneberg haben an der Junioren-Landesliga jeweils nur mit einem oder wenigen Flügen teilgenommen.


Mit 4x Grambek und 3x Condor in den Top-10 zeigt auch die Junioreneinzelwertung, welche Vereine über die streckenflugaktivsten Jugendgruppen verfügen. Gewinner wird das frisch gebackene Mitglied der Junioren-Nationalmannschaft Thilo Scheffler (Condor) ganz knapp vor Axel Looft (Grambek). Mit etwas Abstand folgt auf Platz drei Florian Voss (Grambek), der seinen Platz wiederum ganz knapp gegen Piet-Ansgar Scheffler (Condor) verteidigen konnte. Platz fünf belegt Steffen Looft (Grambek), um die 100 Punkte erreichen Marc Duysen (Flensburg), Jan Erik Jensen (Condor) und Florian Peter (Grambek) auf den Plätzen sechs bis acht. Die Top-10 vervollständigen schließlich Markus Lentin (Aukrug) und Georg Serfling (Lübeck).


Durch eine starke Endphase gewinnt Lübeck schließlich überraschend deutlich die Seniorenvereinswertung. Oft reichte es nicht zum Wochensieg, aber die Lübecker waren an praktisch jedem fliegbaren Tag aktiv und fast immer gleich mit mehreren Piloten vorne dabei. Die 35 lübschen Pilotinnen und Piloten erflogen in Deutschland über 54.000 km. Segeberg lag den größten Teil der Saison in der Landesliga auf Platz eins, erst im  Schlussspurt gaben sie sich geschlagen. Wesentlich häufiger als Lübeck stellten die Segeberger den Wochensieger, einen wesentlichen Unterschied machte letztlich wohl die Personaldecke: In einigen Wochen fehlte Segeberg für die Vereinswertung der zweite gute Flug. Insgesamt flog Segeberg für die Landesliga mit 22 Piloten und 114 Flügen ca. 36.400 km. Wie effizient Segeberg war, machen die drittplatzierten Grambeker deutlich: Die Grambeker flogen mit 25 Piloten in 177 Flügen ca. 41.800 km deutlich weiter als die Segeberger und waren auch oft ganz oben auf dem Treppchen, setzten aber in einigen Wochen ganz aus, vor allem am Ende der Saison.

Condor und Kropp liegen mit jeweils 16 Piloten am Ende der Landesliga ganz knapp beisammen auf Platz vier und fünf. Condor profitierte vor allem von den wahnsinnig engagierten Jugendlichen (s.o.), Kropp von einem höchst erfolgreichen Fliegerlager (wir berichteten). Auch hier fällt auf, dass Kropp deutlich weiter (ca. 35.800 km) unterwegs war als Condor (ca. 27.900 km), Condor flog also offenbar in den punktemäßig ergiebigeren Wochen. Flensburg flog ebenfalls mit 16 Piloten, mit 151 Flügen aber deutlich häufiger als Kropp (108) und Condor (130) - das kann man vermutlich mit dem „Dieter-Faktor“ erklären. Insgesamt wurden ca. 23.300 km und Platz sechs in der Landesliga erreicht.

Recht nah beisammen liegen Aukrug,Neumünster und Dithmarschen auf Platz sieben bis neun. Aukrug zeigt mit 23 Piloten, dass sich die drei personalschwächeren Vereine auf den Plätzen vor ihnen in der nächsten Saison warm anziehen müssen. Neumünster und Dithmarschen schlagen sich mit lediglich 14 Piloten und nur 64 bzw. 56 Flügen erstaunlich gut. Neumünster könnte dank großer Schülerzahl ebenfalls in den nächsten Jahren noch weiter nach vorne kommen. Pinneberg flog mit 13 Piloten ca. 15.900 km und damit insgesamt sogar weiter als Neumünster und Dithmarschen, muss sich aber mit Platz zehn zufrieden geben.

LSV Kiel (7 Piloten, 5.300 km, Platz elf), Leck (10 Piloten, 2.800 km, Platz 14) und Uetersen (6 Piloten, 2.100 km, Platz 15) bilden quasi eine eigene Liga, Ikarus (Platz 12), Husum (Platz 13) und die Akaflieg Kiel (Platz 16) profitierten im Wesentlichen von Einzelleistungen, hier müssen sich erst noch Streckenflugteams bilden.


Der erste Platz der Senioreneinzelwertung ist mehr als eindeutig: Mit fast 90 Punkten Vorsprung gewinnt Ullrich Schwarz (Segeberg), mit dem praktisch immer zu rechnen war (fast 30 Flüge, 1x 800er, 2x 700er, 4x600er) und der oft den Wochensieger stellte. An Ulli konnte man ablesen, wie viel mit hervorragendem Timing und einer optimale Routenwahl wirklich aus einem Tag herauszuholen war. Gelegentlich blitzte auch Regeltaktik hervor, um die letzten Punkte aus den Flügen herauszukitzeln. Platz zwei belegt Altmeister Hans-Werner Grosse (Lübeck, 21 Flüge, 1x 700er, 5x 600er), der aufgrund technischer Probleme relativ spät in die Landesliga startete und das Feld dann unerbittlich von hinten aufrollte. Die Qualitäten von Mensch und Material sind bei Hans-Werner ja bekannt.

Platz drei und neun trennen gerade einmal 13 Punkte - hier hätte es noch bis zum Schluss gewaltige Verschiebungen geben können. Auf den nächsten Rängen folgen aber zunächst drei Piloten, die in den letzten Wochen die Zügel schleifen ließen: Christoph Schwarz (Segeberg), Jörg Arnold und Junior Axel Looft (beide Grambek) stellten alle mit dem 13. August die Arbeit ein - schade, da wäre noch mehr drin gewesen! Verfolger Hendrik Geilsdorf (Neumünster) flog beispielsweise am 27. August noch seinen zweitbesten Flug der Saison (716 Punkte) und teilt sich dadurch schließlich mit Axel Looft Platz fünf. Bemerkenswert ist, dass Hendrik dies mit lediglich zehn Flügen in der Saison erreichte! Axel Looft beispielsweise flog fast 30 Flüge, diese aber terminlich geballt, das war für die Landesliga natürlich weniger effizient. Erwähnenswert ist noch Christophs enorme durchschnittliche Flugdistanz: Lediglich 14 Flüge erbrachten 3x 700er und 3x 600er.

Einen fantastischen siebten Rang erreicht Newcomerin Nadine Sevegnani (Lübeck) in ihrer zweiten Streckenflugsaison. Nadine flog fast so oft wie Ulli und war auch unter der Woche nie zu bremsen - der enorme Einsatz zahlte sich letztlich voll aus. Alwin Kroh (Flensburg) erreichte mit 20 Flügen Platz acht. Auch Alwin hätte evtl. noch eine bessere Platzierung erreichen können, er absolvierte seinen letzten großen Flug bereits am 17. August. Platz neun ging an den fast unermüdlichen Junior Thilo Scheffler (Condor), der über 30 Mal startete, aber schließlich den September ausließ. Platz zehn konnte mit lediglich zwölf Flügen Eckhard Schwartz (Lübeck) erreichen, der oft in der Saison bei langen Strecken auch auf dem hinteren Platz im Duo zu finden war.


Wir hoffen, dass wir uns alle zum Schleswig-Holsteinischen Segelfliegertag am 27.1.2013 in Bad Bramstedt wiedersehen! Dort werden wir dann evtl. noch eine ausführliche Analyse der Landesliga 2012 präsentieren.

Bis dahin letzte schöne Flüge und dann gute Winterarbeit!



Florian, Nadine und Winfried (v.l.n.r.).



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