Landesliga 2012‎ > ‎

Woche 23 (27.8.-2.9.): Magic Monday

veröffentlicht um 05.09.2012, 11:42 von Winfried Schöch   [ aktualisiert 07.09.2012, 11:14 von Winfried Schöch ]
Alle Tabellen finden sich wie immer in der PDF-Datei.

In der vergangenen Woche wurden einmal wieder die Piloten begünstigt, die sich werktags in die Luft begeben konnten: geflogen wurde fast ausschließlich am
Montag, dann aber umso erfolgreicher: Zum Wochenauftakt wurden mit 23 Flügen fast 10.000 Kilometer gemeldet. Die weitesten Flüge reichten von Schleswig-Holstein aus weit in den Südosten, die Lübecker Hans-Werner Grosse, Jan-Hinnerk Scheel und Nadine Sevegnani überquerten sogar die polnische Grenze. Hans-Werner (777 km, Platz 1) und Jan-Hinnerk (873 km, Platz 3) flogen weit nach Polen hinein und anschließend südlich um Berlin herum. Die beide erreichten dabei Schnittgeschwindigkeiten von 108 bzw. 112 Kilometern pro Stunde! Leider hat Jan-Hinnerk den Heimatplatz am Abend nicht mehr ganz ohne Heimkehrhilfe erreichen können – sonst hätte er sich mit dem bislang weitesten Flug der Saison noch deutlich mehr Punkte sichern können. Von Neumünster aus reichte Hendrik Geilsdorf ein 614-Kilometer-Flug „nur“ bis an die Müritz, nach Celle und zurück nach Neumünster für den zweiten Tabellenplatz.
Ullrich Schwarz und Helmut Keuchel starteten von Wahlstedt aus in die gleiche Richtung. Bis hinter Neuruppin flogen die beiden gemeinsam, Ullrich machte seine zweite Wende in Salzgitter, Helmut leistete sich eine Abkürzung knapp nördlich von Wolfsburg, um etwa eine halbe Stunde früher als Ulrich wieder in Wahlstedt zu landen. In der OLC-Tabelle liegen die beiden schließlich nur 1,6 Punkte auseinander auf den Plätzen vier und fünf.
Es folgen auf den weiteren Plätzen Christian Cramer und Rouven Obeloeer aus Schleswig und eine Reihe von Meldungen aus Aukrug, Kiel, Grube, Rendsburg und Flensburg.
Ganz Schleswig-Holstein war in der Luft. Ganz Schleswig-Holstein? Nein! Neben den Lübecker Piloten werden auch die Wahlstedter auf die Meldungen aus Grambek gewartet haben, geht es doch eng zu an der Tabellenspitze - doch obwohl die Voraussetzungen optimal waren, startete aus Mölln am Montag überraschend kein Segelflieger. Ob sich Grambek damit vollständig aus dem Kampf um den Spitzenplatz bei der Landesliga-Vereinswertung verabschiedet hat? Schade, das würde etwas von der Spannung nehmen.

Im weiteren Verlauf der Woche startete vor dem Wochenende nur noch Dieter Immler aus Flensburg, der am Montag zunächst den 20. Tabellenplatz erreicht hatte, zu drei weiteren Flügen, mehr als 141 km waren aber nicht drin. Am Samstag folgten immerhin noch fünf, am Sonntag nur zwei weitere Flugmeldungen. Samstag musste Dieter sich dann Martin Knops aus Schleswig geschlagen geben, dem es als einzigem gelang, noch in die Wochenwertung einzusteigen.

Für die Jugendlichen-Wertungen waren diese Woche nur drei Piloten zu berücksichtigen. Aus Lübeck startete Georg Serfling, der mit seinem Flug über 425 km in der LS4 neben dem 10. Platz in der Erwachsenenwertung die beste Platzierung der Jugendlichen schaffte. Jan Eric Jensen (254 km, Standard Cirrus) und Thilo Scheffler (249 km, DG 1000) aus Grube folgen auf Platz zwei und drei, auch diese beiden haben es in die Erwachsenenwertung geschafft, Jan Eric meldete dort für seinen Club den besten Flug der Woche.

Zu den Tabellen

In der Jugendvereinswertung bekommen Condor und Lübeck drei Punkte, an dem Gesamtergebnis ändert sich dadurch nichts. Auch die Junioren-Einzelwertung bleibt unverändert.

In der Seniorenvereinswertung kann Spitzenreiter Lübeck seinen Vorsprung auf 27 Zähler ausbauen. Segeberg zieht an den punktlosen Grambekern locker vorbei und hat nun ebenfalls 27 Punkte Vorsprung auf den dritten Platz. Der AeC Kropp auf Platz 5 schiebt sich bedrohlich dicht an Condor heran - hier wird es noch einmal richtig spannend! Neumünster kann einen Platz gut machen und nähert sich nun von Platz sieben aus den Flensburgern. In den engen Top-10 der Senioren-Einzelwertung tut sich einiges: Wochensieger Hans-Werner Grosse klettert von Platz fünf auf den zweiten Platz, Hendrik Geilsdorf von der acht auf die fünf, Nadine Sevegnani verbessern sich um einen Platz auf die neun.

Kommentar zum Liga-Reglement

Dieter Immler hinterließ im OLC einen Kommentar, mit dem wir uns intensiver beschäftigen wollen:

„wahrscheinlich einer meiner letzten Flüge die ich im OLC melde, es sei denn wir hier oben im hohen Norden bekommen einen Bonus weil wir einfach thermisch schlechter drann sind und so niemals einen Blumenopf gewinnen können.Vielleicht macht sich da mal die SEKO darüber Gedanken. “


Oha, das klingt nach großer Frustration. Es wäre jammerschade, wenn Dieter seine Flüge nicht mehr in den OLC stellen würde. Andere Piloten, gerade auch Jugendliche, schauen sich die OLC-Flüge an und versuchen, daraus zu lernen. Wir hoffen sehr, dass Dieter und andere Kritiker am bestehenden Regelwerk zum Schleswig-Holsteinischen Segelflugtag kommen und gemeinsam mit den anderen Vereinen diskutieren werden. Zur Erinnerung: Der Segelfliegertag findet am 27.1.2013 in Bad Bramstedt statt.

Wie stark die verschiedenen Standorte in Schleswig-Holstein thermisch benachteiligt oder bevorzugt sind, lässt sich kaum quantifizieren. Ein paar andere Anregungen für die Leistungen der Vereine kann man aus den OLC-Zahlen aber ablesen. Als Auswerter für die Landesliga haben wir uns besonders intensiv mit diesen Zahlen beschäftigt. Für die weitere Diskussion wollen wir Euch ein paar Erkenntnisse (Stand 27.8.) nicht vorenthalten.

Fliegerlager. Damit auch die Vereine an thermisch benachteiligten Standorten in Schleswig-Holstein in der Landesliga mal ganz vorne stehen können, werden alle Flüge von Schleswig-Holsteinischen Piloten, egal von welchem Flugplatz in Deutschland aus, für die Landesliga gewertet. Interessant ist, wer diese Möglichkeit tatsächlich nutzt: Die thermisch vermeintlich bestgelegenen Grambeker haben z.B. 12.063 von 48.018 Punkten (ca. 25%) außerhalb Schleswig-Holsteins erflogen, der AeC Kropp erreicht sogar fast 40%! Zum Vergleich: Flensburg erflog 4.158 von 22.509 Punkten (ca. 18%) außerhalb S-Hs - gerade einmal 21 Flüge von 5 Piloten.
Die Flensburger hatten terminlich Pech, weil bei ihrem Fliegerlager Anfang Juli in Neustadt-Glewe das Wetter halt auch in M-V mal mies war, Ende Juli konnte Marc Duysen in Roitzschjora dagegen ordentlich Punkte holen. Grambek streute auf viele verschiedene Termine: Anspach/Taunus Anfang Juli war ebenfalls eher schwach, Schnuckenheide-Repke und Waren Vielist im Mai waren hingegen sehr ergiebig und Ende Juli/Anfang August gab es noch einmal zahlreiche Kilometer auf der Berliner Heide und in Stölln/Rhinow.

Größe der Vereine. Dieser Effekt hat definitiv nichts mit dem Wetter zu tun: Die mitgliederstarken Vereine (z.B. Grambek, Lübeck) erfliegen automatisch mehr Kilometer. Ein Beispiel: Von Flensburg aus wurden an insgesamt 20 (offenbar guten) Tagen der Saison in 32 Flügen über 200 Punkte erflogen. Durchschnittlich sind an einem guten Tag in Flensburg also 1,6 Piloten in der Luft. Von Lübeck aus wurden tatsächlich deutlich öfter mehr als 200 Punkte erzielt: an 29 Tagen in über 92 Flügen. An einem guten Tag wird in Lübeck mit durchschnittlich 3,2 Piloten also doppelt so viel geflogen wie in Flensburg! Dabei kommen natürlich auch mehr km zusammen, auch ohne thermischen Vorteil. Die absoluten Zahlen sprechen eine ähnliche Sprache: 16 OLC-Piloten in Flensburg (6 über 200 Punkte), 29 in Lübeck (18 über 200 Punkte). Hinzu kommt, dass die mitgliederstarken Vereine es leichter haben, unter der Woche einen Flugbetrieb, auch ohne Eigenstarter, zu organisieren (irgendwer kann meistens). Auch dadurch können mehr Flugtage erreicht werden.
Vermutlich steigert nichts den Erfolg im dezentralen Wettbewerb mehr als neue Mitglieder!

Flugzeugpark. Auffällig ist beim Vergleich der Vereine auch die völlig unterschiedliche Ausstattung mit Fluggerät. Natürlich gibt es Privatflugzeuge, aber das preisgünstige Fliegen für Jedermann/-frau ist eben nur mit Vereinsmaschinen möglich. Wenn die Zahlen auf der Homepage aktuell sind, hat Flensburg gerade einmal drei Vereinsflugzeuge, einen Twin, eine LS4 und eine ASW 19. Dass damit weniger km geflogen werden als mit dem Material aus Lübeck (2x ASK-21, 2x Duo Discus, 2x LS4, Discus 2c, ASG-29), Segeberg (Duo Discus, 2x Discus, DG 101, Astir, ASK-13, Ka 6, Ka 8) oder Grambek (ASK-21, Duo Discus, Discus b, Discus 2b, Mistral-C, ASK-23b) liegt auf der Hand.
Zum Effekt der vielen Flugzeuge wieder ein Zahlenbeispiel: Der 5.5. war wohl einer der besten Tage des Jahres auch und gerade im Norden Schleswig-Holsteins (wir berichteten), die meisten großen Flüge gingen über Flensburg. Von Flensburg selbst starteten 4 Flüge mit über 1400 km, alle drei Vereinsflugzeuge flogen für den OLC. Segeberg hingegen meldete 8 Flüge mit über 3700 km, Grambek meldete ebenfalls 8 Flüge mit knapp 2800 km. Hier sieht man deutlich, welchen Einfluss die Anzahl von Überlandpiloten und die Anzahl der Flugzeuge auf das Ergebnis haben!
Auffällig ist übrigens nicht nur die reine Anzahl der Flugzeuge, sondern auch das Vorhandensein (mindestens) eines Leistungsdoppelsitzers bei den drei erfolgreichsten Vereinen. Abgesehen davon, dass Schüler und frische Scheininhaber mit den Duos für den Streckenflug interessiert werden können, tauchen die Duos auch häufig ganz oben in den Punkten auf. So wurden beispielsweise die beiden bisher punkthöchsten Flüge der Segeberger und der punkthöchste Flug der Lübecker mit Duo geflogen.

Leistungsverteilung. Flensburg hat trotz seiner Lage einen Spitzenpiloten: Alwin Kroh wird in der Landesliga auf Platz 6 geführt (in Woche 20 war es sogar noch Platz 4), bei den „OLC-Champions“ (beste 6 Flüge in S-H) belegt er Rang 10. Sehr auffällig ist der extrem große Abstand zum zweitbesten Flensburger Piloten. So hat Alwin in der Landesliga-Seniorenwertung 2,6 mal so viele Punkte wie der beste Vereinskamerad, in der OLC-Champion-Wertung sind es immer noch 1,7 mal so viele Punkte. Wenn an einem Flugtag neben Alwin noch andere Flensburger starten, dann fliegt Alwin oft mehr als doppelt so weit wie sie.
Bei kaum einem anderen Verein in S-H gibt es so krasse Leistungsunterschiede. Da für die Landesliga-Vereinswertung jeweils die besten Flüge zweier verschiedener Piloten zählen, ist es erstaunlich, dass Flensburg sich überhaupt so weit vorne halten kann (Platz 6 Vereinswertung).
Wie diesem Problem am besten zu begegnen ist, können wir nicht abschließend klären - vielleicht könnte das Streckenflugkönnen durch Flüge im Doppelsitzer (vgl. Punkt „Flugzeugpark“ oben) oder durch Teamflüge etwas besser weitergegeben werden (Teamflüge werden z.B. oft erfolgreich von Kropp und Grambek durchgeführt).

Alle Tabellen finden sich wie immer in der PDF-Datei.

Viel Spaß in den verbleibenden drei Ligawochen und allzeit gute Landung wünschen Euch

    Nadine, Winfried und Florian
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