Der ACvL gestern
Dienstag, 14. Juli 2009 um 19:11
Christoph Jürgens
Liebes Clubmitglied,
wenn Du heute durch unsere Flugzeughalle gehst und Dir die vielen Segelflugzeuge, vom Einsitzer bis zum Hochleistungs-Doppelsitzer in Kunststoff, daneben die Motorsegler in verschiedenen Ausführungen ansiehst, dann wirst Du es kaum für möglich halten, dass der Aero Club von Lübeck e.V. buchstäblich aus dem Nichts entstanden ist.
Als nach Ende des Krieges durch alliierten Kontrollratsbeschluss jede fliegerische Betätigung für deutsche Staatsbürger verboten war und "...die Herstellung, der Besitz, die Unterhaltung oder der Betrieb von Flugzeugen aller Art oder irgendwelcher Bestandteile davon" mit Zuchthaus geahndet wurden, gründeten ehemalige Flieger und am Luftsport Interessierte im Jahre 1947 den "Lübecker Modellbauverein". In diesem Verein trafen sich all die Flugbegeisterten, die nicht daran glauben wollten, dass der Luftsport für alle Zeiten vom Himmel über Deutschland verbannt sein sollte. Insgeheim wurden damals schon Bauunterlagen für den "Schulgleiter SG-38" und das "Grunau Baby" besorgt und an Stelle von Flug- und Bootsmodellen wurden Rippen für Tragflächen sowie Rumpfspanten gebaut. Als dann am 4. August 1950 in Gersfeld, Röhn auf dem "Heiligen Berg der Flieger", der Wasserkuppe, der DEUTSCHE AEROCLUB als Vereinigung aller Deutschen Luftsportler gegründet wurde, waren in Lübeck die Vorbereitungen für den Bau des ersten Segelflugzeuges fast völlig abgeschlossen, so dass jetzt nur noch die Wiederzulassung zum Flugbetrieb herbeigesehnt wurde.
Am 19. Juni 1951 war es dann endlich so weit. Die Alliierten Besatzungsmächte hoben das bestehende Flugverbot auf und nach 6-jähriger Pause konnte der Luftsport in Deutschland wieder ausgeübt werden. Als geeignetes Gelände bot sich für uns der stillgelegte Flughafen Lübeck-Blankensee an. Zuletzt als Einsatzhafen der Engländer für die Berlin Versorgungsflüge der Luftbrücke genutzt, rotteten die Anlagen und Einrichtungen vor sich hin. Unseren Kameraden Harry Kleinschmidt und Dr. Heinz Cordes Ist es zu verdanken, dass dieses Areal nicht unter den Pflug kam. In endlosen Verhandlungen mit der Regierung und alliierten Dienststellen ist es Ihnen gelungen, dieses Gelände als Flugplatz zu reaktivieren.
Mitglieder des aus dem "Lübecker ModellbauVerein" hervorgegangenen und jetzt neu gegründeten "Aero Clubs von Lübeck e.V." haben in vielen tausend Arbeitsstunden die Schäden an den z. T. gesprengten Anlagen beseitigt, die Start- und Landebahnen ausgebessert - aus reiner Begeisterung, das Ziel vor Augen, wieder fliegen zu dürfen - ohne einen Pfennig Bezahlung. Diese freiwilligen Arbeitsleistungen, die damals reine Knochenarbeiten mit Schaufel und Schubkarre waren, sind auch der Grund, dass wir "Alten" an diesem Platz hängen, in dessen Boden so viele Schweißtropfen geflossen sind. Mit gleichem Aufbauwillen und freiwilligen Arbeitsstunden wurde im Laufe der Jahre unsere "Halle Nord" errichtet, nachdem unser damaliger Vorsitzender Klaus Rettig die Materialbeschaffung dafür finanziell regelte. Noch heute zehren wir von dieser Investition.
So wurde in einer Zeit, in der noch mit dem Groschen gerechnet wurde, durch unbezahlte, freiwillige Arbeitsleistungen der Grundstock für unser heutiges Vermögen gelegt, das sich jedem Besucher bei einem Blick in die Hallen und Gebäude mit ihren vielfältigen Einrichtungen offenbart.
Dies alles gilt es zu pflegen, zu erhalten und zu mehren! Mach mit und zeige Dein persönliches Engagement! Es lohnt sich!
gez. Gerd Littmann
Aktualisiert ( Mittwoch, 15. Juli 2009 um 20:14 )